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Therapie
Eine Heilung der Rosazea ist nicht immer möglich. So heißt
es in der Fachliteratur. Also: Sag niemals nie. Die
Symptome können jedoch immer günstig beeinflusst werden,
wenn die Therapie dem Schweregrad der Rosazea angepasst
ist. Es existieren eine Reihe von äußerlichen Salben und
Cremes und innerlichen Antibiotika. Eine Sonderstellung
nimmt das Medikament Roaccutan (Wirkstoff Isotretinoin)
ein, aufgrund seiner "Wunderwirkung". Betroffene, die
wegen ihrer Krankheit im Internet recherchieren hat es oft
besonders schwer erwischt und sind oder werden "Ein Fall
für Roa". Aufgrund dieser internetspezifischen "verzerrten
Statistik" liegt bei rosazea.net ein besonderes
Gewicht auf diesem Medikament.
Bei manchen Medikamenten, die der
Hautarzt bei Rosazea
verschreibt, kann auf dem Beipackzettel der Hinweis zu
Rosazea fehlen. Häufig handelt es sich zum Beispiel um
Aknemittel, die nicht speziell für Rosazea zugelassen
sind. Dies heißt jedoch nicht, dass sie nicht für Rosazea
geeignet sind. Von allen Hautkrankheiten ist Rosazea mit
Abstand die häufigste, bei der Medikamente zur Behandlung
eingesetzt werden, die ursprünglich für andere Krankheiten
entwickelt wurden - so zumindest eine Untersuchung von "Off-Label-Prescription"
in den USA für den Zeitraum von 1990 bis 1997. Danach
waren mehr als 2/3 aller bei Rosazea verschriebenen Mittel
nicht speziell für diese Erkrankung zugelassen. Die Zahlen
dürften in Deutschland nicht groß anders aussehen,
Untersuchungen dazu sind aber nicht bekannt. Man sollte
sich also nicht verunsichern lassen, wenn der
Hautarzt
Rosazea diagnostiziert, im Beipackzettel zum
verschriebenen Medikament der entsprechende Hinweis auf
diese Krankheit aber fehlt.
(Quelle:
J. H. Sugarman, A. B. Fleischer Jr, S. R. Feldman:
Off-label prescribing in the treatment of dermatologic
disease, in Journal of the American Academy of
Dermatology
August 2002, part 1, Volume 47, Number 2)
Isotretinoin
(Roaccutan)
Die besten Ergebnisse, besonders bei
schweren
Rosazea-Formen werden mit Isotretinoin erzielt.
Dabei handelt es sich um einen Abkömmling der
Vitamin-A-Säure. Die Therapiedauer beträgt meist mehrere
Monate. Die Remissionen (Rück- oder Fortgang der Symptome)
halten oft über Jahre an, also ein Präparat mit
Langzeitwirkung. Die Wirkungsweise von Isotretinoin ist
nur teilweise bekannt. Es hemmt die Taldrüsenfunktion
abhängig von der Dosis und Therapiedauer um bis zu 90
Prozent des Ausgangswertes. Ausserdem wirkt es deutlich
entzündungshemmend und beseitigt Ödeme und die
entzündlichen Papel, Pustel und abszedierenden Knoten. Mit
der rechtzeitigen Gabe von Isotretinoin, kann eine
Narbenbildung, die bei schweren
Rosazea-Formen nicht
auszuschließen ist, verhindert werden. Bei Frauen kann
eine Isotretinoin-Behandlung mit Antiandrogenen kombiniert
werden.
Nachteile:
Isotretinoin (Roaccutan) hat eine stark fruchtschädigende
Wirkung. Frauen, die mit dem Medikament behandelt werden
müssen eine sichere Verhütung, am besten die
Anti-Baby-Pille anwenden. Der Hersteller rät, auch einen
Monat danach eine Schwangerschaft zu verhindern. Manche
Hautärzte raten zur Sicherheit, mindestens ein halbes Jahr
zu warten.
Weiterhin kommt es während der Therapie
zu Nebenwirkungen, von denen alle Patienten mehr oder
weniger stark betroffen sind. Dazu zählen vor allem:
Lippentrockenheit
Hautreizungen- und Schuppungen im Gesicht
Trockene Nasenschleimhaut/Nasenbluten
Juckreiz
Trockenheit und Reizungen der Augen
Leichter Haarausfall
Verdünnung der Haut
Muskel- und Gelenkschmerzen
Die Blutwerte sollten regelmäßig
überprüft werden, da es selten zu einer Erhöhung der
Blutfett- und Leberwerte kommen kann.
Es wird nicht selten von Depressionen
und Magen-Darm-Problemen berichtet. Die Anwendung von
Roaccutan sollte gut überlegt sein, doch gibt es oftmals
keine in der Wirkung vergleichbare Alternative.
Weitere
Behandlungsmöglichkeiten
Photoderm-Therapie
Die hochenergetische Blitzlampe des Photoderm erzeugt
kurze intensive Lichtimpulse, die zu einer Verödung der
Äderchen führen. Das breite Spektrum der Lichtquelle wird
über einen Spezialfilter an den individuellen Hauttyp
angepasst. Neben Feuermalen, Tätowierungen oder
Altersflecken werden auch permante Rötungen und Äderchen
wie sie für Rosazea typisch sind, behandelt. Je nach Größe
der zu behandelnden Fläche sind mehrere Sitzungen nötig.
Bei und nach der Behandlung kann es zu Schwellungen und
Hautreizungen kommen, die aber wieder verschwinden. Nicht
angezeigt ist die Behandlung bei Diabetes-Patienten und
bei Einnahme von gerinnungshemmenden oder
lichtsensiblierenden Mitteln.
Die Kosten der Behandlung liegen bei kleinen
Hautflächen zwischen 100 und 250 Euro, bei größeren
Hautflächen zwischen 600 und 1100 Euro pro Sitzung.
Äußerliche Therapie
Da Rosazea-Patienten eine sehr empfindliche Haut haben,
ist Vorsicht angesagt mit irritierenden Faktoren. Dazu
gehören zum Beispiel alkoholische Tinkturen, stark
reizende Seifen oder Syndets.
Antibiotika
Lokal verabreichte Antibiotika wie Erythromycin,
Tetrazykline oder Clundamyzin sollen bei Rosazea
gelegentlich wirksam sein. Über Nacht eignen sich
schwefelhaltige Pasten.
Metronidazol
Eine lokale Behandlung mit Metronidazol in einer
Konzentration von 0,75 bis 2 Prozent ist wirksam gegen
Pustel. Rötung und Äderchen sollen jedoch kaum beeinflusst
werden. Der Wirkstoff gilt als
Standardmittel zur äußerlichen Anwendung bei Rosazea.
Vitamin-A-Säure
Bei Rosazea papulopustulosa ist 0,025 Prozent
Vitamin-A-Säure wirksam gegen Papel, Pustel, Rötung und
Äderchen. Dafür sind die Mechanimen der
antiinflammatorischen Eigenschaften und die Beeinflussung
auf die Hautalterung verantwortlich.
Nachteil: Vitamin-A-Säure irritiert die empfindliche
Haut von Rosazea-Patienten, wehalb die Anwendung
wohlbedacht sein sollte.
Isotretinoin (als Creme)
Eine 0,2 prozentige Isotretinoin Creme soll zu guten
Ergebnissen geführt haben, doch liegen dazu bisher nur
geringe Erfahrungen vor. (das lässt vielleicht hoffen)
Aufgrund der antientzündlichen Wirkung von Isotretinoin
werden Papel und Pustel reduziert. Die Irritationen der
Haut sind geringer als bei Vitamin-A-Säure.
Adapalen
Adapalen ist ein Verwandter der Vitamin-A-Säure. Adapalen
hat den Vorteil, nicht durch das Sonnenlicht zerstört zu
werden und scheint weniger zu Hautirritationen zu neigen.
Es vermindert ebenfalls wie die bereits
genannten Wirkstoffe die Talgproduktion und kann zur
Austrocknung und Schuppung führen.
(Quellen: Rosacea Briefs, 2000, Vol.1, S. 2, o.Verf.:
Adapalen im Vergleich zu Tretinoin, in MedReport 4/2001,
Nr. 10, S. 4)
Azelainsäure
Azelainsäure hat eine Wirkung auf Hautknötchen, Pustel und
Rötung. Äderchen (Teleangiektasien) werden nicht
beeinflusst. Das Ergebnis wird auf die antientzündliche
Eigenschaft der Azelainsäure zurückgeführt.
Ichthyol-Salbe
Ichthyol (chemisch: Ammoniumbituminosulfonat ) ist
schwefelhaltiges Schieferöl und riecht ähnlich wie Teer.
Im Gegensatz zu Teerprodukten steht es aber nicht im
Verdacht, krebserregend oder erbschädigend zu wirken.
Seine antibakterielle Wirkung dient zur
Minimierung der Papeln und Pusteln.
Zugleich wirkt Ichthyol gegen Pilze. Bei längerer
Behandlung kann es aber auch hier zu einem Nachlassen der
Wirkung kommen.
(Quelle: R. Engst: Dunkle Schieferöle sind Basis eines
wirksamen Dermatikums, in Klinikzeitung der
Alexanderhausklinik Davos 3/1999, S. 15 f.)
Lichtschutzmittel
Die Haut von Rosazea-Patienten reagiert sehr empfindlich
auf
Sonneneinstrahlung, deshalb werden starke
Lichtschutzmittel mit einem UV-B-Lichtschutzfaktor von 15
und mehr empfohlen in Kombination mit einem UV-A-Filter.
Lymphdrainage
Eine Massage nach Sobey kann helfen um das Ödem bei
Rosazea zu beseitigen. Hierbei werden morgens und abends
kreisende Bewegungen über Nase, Wangen und Stirn
durchgeführt. Kontrollierte Studien zur Wirksamkeit
fehlen.
Operative Methoden
Auffällige Teleangietasien (Äderchen) können in mehrern
Sitzungen mit verschiedenen Lasersystemen oder einer
feinen Diathermienadel dauerhaft verödet werden. (siehe
auch Photoderm, oben)
Beim Rhinophym (Knollennase) wird das gewucherte Gewebe
mit CO2-Laser abgetragen, bis eine normale Nasenform
erreicht wird. Bei der Korrektur einer Knollennase werden
sehr gute Erfolge erzielt. Behandlungen mit Isotretinoin
vor und nach der Operation über mehrere Wochen haben sich
bewährt.
Innerliche Therapie
Bei schwereren
Rosazea-Formen wird eine innerliche
Therapie notwendig.
Antibiotika
Tetrazykline über mehrere Wochen sollen sehr wirksam sein.
Der Wirkungsmechanismus der Tetrazykline ist nicht ganz
geklärt. Sie besitzen eine antientzündliche Wirkung, die
nicht an die antibakterielle gebunden ist. Nachteil ist,
dass es schon wenige Wochen nach der Behandlung zu
Rezidiven (Rückfällen) kommen kann. Bei einer
Augenbeteiligung
sind Tetrazykline die Mittel der Wahl, bis zum Abklingen
der Erscheinungen.
Metronidazol
Metronidazol hat sich als wirksam gegen Rosazea erwiesen,
besonders bei papulopustulösen Formen. Von einer längeren
Behandlungsdauer ist jedoch abzuraten, da unerwünschte
Nebenwirkungen auftreten können.
Antimalariamittel
Das Medikament Chloroqin soll bei den meisten Patienten zu
einer deutlichen Besserung oder Abheilung geführt haben.
Die Behandlung wird jedoch kaum mehr empfohlen.
Stefanie Müller - Stand: 26.11.2003 |