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Psyche
Das Selbstwertgefühl von Rosazea-Patienten kann
insbesondere bei schweren Verlaufsformen mächtig
angekratzt sein. Kinderfragen, irritierte Blicke,
unsensible Bemerkungen et cetera belasten das alltägliche
Leben. Dazu kommt das eigene Gefühl der Ohnmacht über das
"verlorene Aussehen", das vermeintlich verlorene Glück.
Wenn die Haut zum Problem wird sind....
Typische Gedanken
wenn die Haut nur wieder gut wäre, wäre alles wunderbar
früher war alles besser
meine Misserfolge liegen an der Haut
bestimmt findet mich jeder hässlich
so kann ich nicht auf die Straße gehen
alle starren mich an und machen sich ihre Gedanken
Typische
Verhaltensweisen
Möglicherweise bleibt man zu Hause
("Vermeidungshaltung"), geht keinen öffentlichen
Aktivitäten mehr nach, rennt ständig zum Spiegel um
mögliche Veränderungen zu kontrollieren. Bei der Begegnung
mit anderen Menschen ist man sich sicher, dass auf die
Haut geachtet und Abfälliges gedacht wird. Die Gedanken
kreisen fieberhaft um die Haut, vielleicht den ganzen Tag.
Internetrechnungen schnellen in die Höhe bei der Suche
nach dem ultimativen Heilmittel, nach Sätzen die einen
aufbauen.
Man verliert das Bewusstsein für die
eigene Identität und reduziert sich möglicherweise auf
"Ein Mensch mit Rosazea".
Bestimmt die Rosazea das Leben, den
Alltag, sollte man den Gang zum Psychologen / zur
Psychologin nicht scheuen. In einer Therapie können
Verhaltensweisen und gedankliche Vorgänge trainiert
werden, die die Lebensqualität wieder steigern können.
Die "typischen Gedanken" wenn die Haut
zum Problem wird, sind realistisch betrachtet schlichtweg
falsch.
Kleiner
Leitfaden zum Umgang mit der Krankheit
1. Die Persönlichkeit ist ein
Sammelsurium von Charaktereigenschaften, Interessen,
Hobbies, Beruf etc. Ein Teil der Identität ist auch das
Aussehen. Das lässt sich wiederum in unzählige Merkmale
aufsplitten. Ein Merkmal ist die Haut. So gesehen
verändert die Rosazea in der Gesamtheit betrachtet nur
einen winzigen Teil davon, was uns als Mensch XY ausmacht.
Und das auch nur auf das Äußere bezogen. Man ist immer
noch der gleiche Mensch. Eine banale Feststellung, die
ganz schnell vergessen ist.
2. Andere Menschen interessieren sich
bei weitem nicht so sehr für die Haut wie man glaubt.
Irritiert sind die Reaktionen nur im ersten Moment. Nach
einer kurzen Orientierungsphase, hat das Gegenüber
registriert: "Ok. Ein Hautproblem. Weiter geht’s." Auf
Fragen oder Blicke reagiert man am besten mit offener
Beantwortung. "Diese Krankheit nennt sich Rosazea und ist
an sich harmlos, ähnlich wie Akne. Ich werde behandelt und
denke das wird bald besser". Wo liegt das Problem?
Garantiert nicht beim anderen.
3. Vielleicht hat eine makellose Haut
etwas mit "Schönheit" zu tun. Meiner Ansicht nach (und
diese Meinung werden die meisten teilen) aber nicht mit
Attraktivität. Fast alle Menschen haben einen "Makel". Sie
sind zu dick, haben eine Glatze, stören sich an ihrer
Brille, an der Zahnspange (usw. usf.) Oder aber haben eben
Pickel und Rötungen. Ein Aspekt in einer langen Reihe von
möglichen Makeln. Na und? Es gibt so viele attraktive
Dicke, attraktive Männer mit Glatze, interessante
Brillengesichter... warum nicht auch einen tollen und
reizvollen Menschen mit Pickeln? Sympathie, Ausstrahlung
und Humor sind wohl die unbestrittenen "Zugpferde" im
menschlichen Miteinander.
4. Rosazea ist nicht einfach zu
behandeln. Aber Möglichkeiten die zu einem Rückgang oder
Verbesserung der Symptome führen gibt es definitiv. Im
Gegensatz zu vielen vielen anderen Krankheiten , sind die
Behandlungsmöglichkeiten regelrecht gut. Man muss
vielleicht einiges ausprobieren und viel Geduld
mitbringen, aber die lohnt sich in der Regel. Man ist kein
"hoffnungsloser Fall" und sollte sich immer bewusst
machen: Es hätte viel schlimmer kommen können. Die Rosazea
ist extrem ärgerlich, aber ich kann ganz allein
entscheiden, von was sie mich im Leben abhält und was ich
mir von ihr verderben lasse.
5. Mit Rosazea ist man nicht allein.
Allein rund 15 Millionen Amerikaner leiden unter Rosazea
(darunter Bill Clinton), in Deutschland erkranken jährlich
Tausende. Der Kontakt mit anderen Betroffenen (z.B. im
Internet oder Selbsthilfegruppen falls vorhanden) hilft im
Umgang mit der Krankheit.
Stefanie Müller - Stand: 3.4.2002
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